Acht Uhr Läuten - Infotafel 11

Ein Teich für Schelme?

Wo heute nur noch eine kleine Lichtung, am Ende eines schmalen Tälchens liegt, soll sich einst der Esthaler »Schelmenteich« befunden
haben. Dass hier Verbrecher durch Untertauchen geständig gemacht wurden, gehört vermutlich dem Reich der Sagen an, auch wenn dies keine unübliche Methode der sogenannten Peinlichen (strafenden) Gerichtsordnung war, und erst im Zeitalter der Aufklärung abgeschafft wurde.

Im Althochdeutschen bedeutet das Wort »scelmo, scalmo« Pest, Seuche und auch Aas. Der Schelmschinder war in früheren Zeiten ein Abdecker. So zeugt der Name dieses Ortes wahrscheinlich von der Existenz eines Schindanger, eines Ablageplatzes für Tierkadaver. »Teich«, als Wortbestandteil geografischer Bezeichnungen, leitet sich von mittelhochdeutsch »tīch« (»Trockental«) ab, so dass der »Schelmenteich« womöglich gar kein Teich, sondern der Schindanger selbst war.

Sicher ist, dass »Schelm«, ein Schimpfwort war, welches noch im 17. Jahrhundert als schwere, ja sogar strafbare Beleidigung angesehen wurde. Im Spätmittelalter war »Schelm« darüber hinaus mit der Tätigkeit des Scharfrichters assoziiert, einer Berufsgruppe, die für der Gesellschaft zwar unentbehrlich, aber ebenfalls verachtet war.