Grüner Schatz Pfälzerwald

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Wander-TIPP

Auf historischen Spuren unterwegs

Die historische Geißbocktour lässt sich rund ums Jahr nachvollziehen. Gleich zwei Markierungen weisen den Weg: zum einen der schwarze Geißbock auf weißem Grund, zum anderen das blau-gelbe Rechteck. Der Geißbockweg führt vom Lambrechter Bahnhof über das Forsthaus Silbertal weiter nach Deidesheim. Die rund elf Kilometer lange Wanderung hat 385 Höhenmeter im Aufstieg und 365 im Abstieg. Die Gehzeit beträgt etwa drei Stunden. Zurück lässt sich von Deidesheim aus der Zug nutzen.  Zum Tourenplaner

Übernachtungs-TIPP

Ob abenteuerlich auf dem Trekking-Platz, meditativ im Kloster oder familienfreundlich im Naturfreundehaus - der Pfälzerwald bietet die unterschiedlichsten Übernachtungsmöglichkeiten. 
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Event-TIPP

Pfingstdienstag - Historische 
Geißbockversteigerung  in Deidesheim

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Shopping-TIPP

Vom Baum zum Fass zum Möbelstück

In der Pfalz gibt es viele kreative Köpfe, die aus (Pfälzer) Eiche – ob frisch geschlagen oder in Zweitverwertung – wahre Schmuckstücke herstellen: Tische, Stühle, Brillen, Hocker, Teelichter, Selfie-Sticks… 
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Bergstein oberhalb von Neustadt/Weinstraße

Wandern durch Wald und Weinreben an der Deutschen Weinstraße.

Bis zu 40 Kilometern ist ein Luchs manchmal in einer Nacht unterwegs, um sich Nahrung zu suchen. Der reine Fleischfresser jagt von der Maus bis zum Rotwild alles.

Ein grüner Schatz mit verblüffender Dimension

Der Pfälzerwald ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands. Der Pfälzerwald ist von außergewöhnlicher Vielfalt. Der Pfälzerwald ist multifunktional. Mit dem Geißbock unterwegs durch eine Region, die gleichzeitig Freizeit-, Wirtschafts-, Frei- und Lebensraum ist.

Raum für alle - Mit dem Geißbock auf Tour

Es ist ein Trara und Tamtam. Oder aus Sicht des „gut gehörnten und gut gebeutelten“ vierbeinigen Hauptakteurs eher ein Heckmeck. Es ist Dienstag nach Pfingsten und in aller Herrgottsfrühe geht es in Lambrecht los. Das jüngste Brautpaar des Ortes bringt den Tributbock bis zum Sonnenaufgang an die Deidesheimer Waldgrenze. Begleitet wird das Trio auf dem Weg zur Historischen Geißbockversteigerung von einer bis zu 200 Köpfe zählenden Gruppe von Wanderern. Die Tradition lässt sich zurückverfolgen bis zur ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1404. Diese ist Hintergrund des heutigen Historienspiels und Volksfestes. Gleichzeitig erschließt sie die Multifunktionalität der Slowzone Wald.

Ein reiner Försterwald
Denn der Wald war schon immer Wirtschaftsraum. Der wohl beschaffene Geißbock aus Lambrecht diente ursprünglich als Ausgleich für Weiderechte im Deidesheimer Stadtwald. Eine Nutzungsart, die heute praktisch nicht mehr vorkommt. Der Pfälzerwald ist mit rund 180.000 Hektar das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands. Zu verdanken hat er dies der Tatsache, dass sich eine landwirtschaftliche Nutzung nicht lohnte. Umfangreiche Rodungen blieben deshalb aus. Zudem waren die früheren Besitzer, geistliche und weltliche Herrschaften, an langfristiger Holznutzung und einem zusammenhängenden Jagdgebiet interessiert.

„Der Pfälzerwald ist zu 100 Prozent ein Kultur- oder Försterwald, der seit Jahrtausenden bewirtschaftet wird“, erläutert Burkhard Steckel, der Leiter des Forstamtes Johanniskreuz. Hier prägten bayrische und pfälzische Forstleute 1843 den Namen „Pfälzerwald“. Gleichzeitig legten sie Regeln fest, die noch heute die Naturnähe bei der Waldbewirtschaftung betonen. Heutzutage liegt im Bereich des Forstamtes die Durchschnittsmenge an Holz, die pro Jahr und Hektar erzeugt wird, bei sieben Festmetern. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter Rundholz.

Rund 6,4 Millionen Euro Einnahmen durch Holzgeld werden pro Jahr alleine im Staatswald erwirtschaftet. „Dies ist nicht nur für die Industrie und Privatbesitzer wichtig, auch für Staat und Kommunen gibt es einen Gewinn von rund einer Million Euro“, rechnet Steckel vor. Sein besonderer Stolz sind alte Traubeneichen-Bestände, die als „Edelsteine des Pfälzerwaldes“ gelten. Sie könnten auch ein Symbol für das sein, was man heute unter „slow“ versteht. Burkhard Steckel: „In der Forstwirtschaft kennt die Eiche mit 200 bis 300 Jahren die längsten Produktionszeiten. Eichen sind immer eine Investition in zukünftige Generationen.“ Die stolze Baumart wächst zwar langsam, doch mit rund 170 Euro Durchschnittserlös pro Festmeter ist dieser rund zweieinhalbmal höher als bei anderen Holzarten. Im Pfälzerwald überwiegt die Holzart Buche. Auch Kiefer und Esskastanie sind stark vertreten.

Den Wald mit allen Sinnen erleben
Die Karawane zieht weiter, übrigens ohne Geißbock, denn der wird artgerecht chauffiert. Die Wanderer sind derweil unterwegs, wo sich die Funktionen von Wirtschafts- und Freizeitwald überlagern. Denn die Bewirtschaftung sorgt auch für die Erschließung durch Wege. Dies ist zwar, wenn etwa beim Abtransport von Holz Wege durch schweres Gerät zerfahren oder gleich ganz gesperrt werden, auch Anlass für temporäre Konflikte. Die Bewirtschaftung schafft aber am Ende sichere Routen und dort, wo Bäume geschlagen werden, Ausblicke. Sie macht so den Wald erlebbar.

„Wandern macht den Kopf frei“, beschreibt Antje van Look die Wirkung von Sinneseindrücken im Wald. In der Lambrechter Regioakademie vermittelt sie Natur- und Landschaftsführern sowie Gästeführern Wissen rund ums Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Der „Schatz vor der Haustür“ ist wertvoll und den Menschen soll deutlich werden, wie man sorgsam mit ihm umgeht und Ressourcen schont. Denn der Wald ermöglicht dem Menschen Auszeiten und Erholung. Frischluft am Wochenende tanken, hieß es früher. Heute ist der Begriff Waldbaden in aller Munde. Er geht zurück auf Studien aus Japan, wonach der Aufenthalt im Wald wie eine Art Aromatherapie funktioniert. Hinzu kommt die beruhigende Wirkung des Grüns auf Auge und Psyche, die schon Goethe beschrieben hat. Für Antje van Look geht es einfach darum, den Wald mit allen Sinnen zu erleben.

Lebensraum abluchsen
Auf dem weiteren Weg der Geißbock-Gruppe nach Deidesheim wird deutlich, dass der Pfälzerwald relativ zusammenhängend ist. Dies führt zur Funktion des Waldes als Freiraum, der vielen Wildarten Rückzugsmöglichkeiten bietet. Besondere Symbolkraft kommt hier dem Wiederansiedlungsprojekt „Luchse im Pfälzerwald“ zu. Die ersten drei Großkatzen wurden im Sommer 2016 freigelassen und ein weiteres Tier folgte im März 2017. Nach und nach, so berichtet Projektleiterin Sylvia Idelberger, sollen ihnen bis ins Jahr 2020 weitere 16 Tiere folgen. Diese werden in der Schweiz und der Slowakei eingefangen.

Sich abwechselnde Bergkuppen und Kerbtäler, Felsspalten und Überhänge, Feuchtgebiete und sandige Trockenhänge: Die Vielfalt und Großräumigkeit des Pfälzerwaldes macht diesen für den Luchs attraktiv. In der Region war er vor rund 250 Jahren vom Menschen ausgerottet worden. „Der Luchs weckt Interesse in der Öffentlichkeit und kann als Werbeträger für das Biosphärenreservat genutzt werden“, freut sich Sylvia Idelberger über eine wissenschaftliche Akzeptanzstudie. Für viele Befragte ist der Luchs ein schönes, faszinierendes „Raubtier“, das als Symbol für intakte Natur und Artenvielfalt gesehen wird.

Ein Talent mit vier Dimensionen
Die Wandergruppe mit Geißbock erreicht mit großem Hallo Deidesheim, wo zwei Lebensräume ineinander übergehen: die Stadt und der Wald. Der eine von Menschenhand geschaffen. Der andere vom Menschen als Basis zum Leben genutzt. Für Michael Leschnig vom Haus der Nachhaltigkeit (HdN) in Johanniskreuz hat diese Basis heute vier Säulen: die Erholung, die Holzgewinnung, die Ökologie mit Wasser- und Klimaschutz sowie eine kulturelle und identitätsstiftende Dimension. Informationen zu allen vier Bereichen vermittelt das HdN. Das Motto dafür heißt für Michael Leschnig: „Wir zeigen, was unser Alltag mit Nachhaltigkeit zu tun hat.“ Nicht zuletzt werden Produkte vom Honig über Marmelade bis zu Wildfleisch angeboten. Hier schließt sich der Kreis wieder mit dem Wald als Wirtschaftsraum. Und wenn mit dem letzten Glockenschlag um 18 Uhr am Pfingstdienstag vor dem historischen Deidesheimer Rathaus der Hammer fällt, wird dies greif- und hörbar: Der Tributbock wechselt gegen Bargeld den Besitzer. 

Weitere Informationen

UNESCO-Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen
Portal Pfälzerwald-Nordvogesen 
Haus der Nachhaltigkeit in Johanneskreuz
Biosphärenhaus in Fischbach
Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim
Der Luchs im Pfälzerwald

Text: Michael Dostal, Fotos: Dominik Ketz, Kurt Groß

 
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